Exponate der Schiffswerft Rechlin

Die Schiffswerft Rechlin hat zwischen 1948 und 1996 viele Rettungs- und Freizeitboote und schiffstechnische Anlagen gefertigt. Auch im Bereich des militärischen Schiffbau wurden Boote für die Armee und den Grenzschutz in Rechlin konstruiert und hergestellt. Nachfolgend möchten wir Sie über einige unserer Exponate näher informieren.


KTS - Kleines Torpedoschnellboot

Kleines Torpedoschnellboot Projekt 131.400 - NATO-Code: Libelle

Im November 1970 wurde durch die Verwaltung Schiffbau die Entwicklung eines Kleinen Torpedoschnellbootes (KTS) Projekt 131 veranlasst. Die Boote wurden von der Peenewerft Wolgast entwickelt. Von Oktober 1971 bis März 1977 wurden insgesamt 34 Boote gebaut. Die ersten drei Versuchsboote, Projekt-Nr. 131.1 bis 131.3 wurden auf der Peenewerft Wolgast gebaut und nach ihrer Erprobung verschrottet. Das erste Serienboot, Projekt-Nr. 131.4 wurde ebenfalls als Versuchsboot eingestuft, da es Mängel aufwies. Es diente zuerst als Ausbildungsboot und Versuchsträger. Ab 1981 wurde es an der 7.TSB-Brigade übergeben und blieb dort bis zu seinem Abbruch.
Die Serienfertigung mit dem Projekte 131.4 begann 1974 und endete 1977. Die Bootskörper und Aufbauten wurden in der Schiffswerft Rechlin gefertigt und per Schwerlasttransport nach Wolgast gebracht. Für den Straßentransport mussten Straßenbäume gefällt, Straßen begradigt, Kurven ausgebaut und Brücken verstärkt werden. Die Endmontage erfolgte in der Halle III der Peenewerft Wolgast. Die Torpedo- und die Minenausstoßanlagen wurden auch durch die Peenewerft gefertigt.
Die Konstruktion
Das Boot ist ein Knickspant-Gleitboot. Der Bootskörper und das Deckshaus bestanden aus Aluminium in vollgeschweißter Ausführung. Sechs wasserdichte Abteilungen unterteilten das Boot. Zwei Dieselmotoren waren im Bugmaschinenraum untergebracht. Diese wirkten in direkter Flucht auf die Außenwellen. Im Heckmaschinenraum war der Dieselmotor mit Abtrieb in Richtung voraus (umgekehrt herum gegen über den anderen zwei) zwischen den Torpedorohren angeordnet. Dieser wirkte auf die Mittelwelle. Durch ein Wendegetriebe mit hydraulischer Umsteuerung konnte man bei diesem Motor die Drehrichtung ändern. Das KTS-Boot wurde durch den Kommandant mit Hilfe eines Lenkrads (vom LKW-Typ W 50) gesteuert. In den Rumpfseitenschalen waren Buchsen zur Aufnahme einer Hebetraverse angebracht. So konnten die Boote mittels Kran aus dem Wasser gehoben werden.
Wegen der hohen Beanspruchung des Schiffskörpers war die Lebensdauer eines KTS-Bootes mit 500 Betriebsstunden vorgesehen. Dies wurde später auf 750 Stunden erhöht.
Die KTS-Boote konnten im Seegang ohne Fahrt mit bis zu 45 Grad zur Welle liegen! Diese besondere Eigenschaft besaß kein anderes Gleitboot. In der Abteilung V gab es eine Notunterkunft mit vier Notkojen. Die Besatzung der KTS sind mit Schlafsäcken ausgerüstet worden. Eine Elektroplatte war in der Notunterkunft vorhanden.
Verwendungszweck
Als Fahrbereich war die Ostsee und Nordsee vorgesehen, speziell für den Einsatz im Küstenvorfeld.
Für folgende Aufgaben sollten die KTS-Boote eingesetzt werden:
• Torpedieren von Überwasserzielen, auch im Flachwassergebieten,
• Legen von Fernzündungsminen,
• Transport von Spezialkommandos und Kampfschwimmern,
• Aufklärung sowie
• Begleiten und Kurierdienst als Nebenaufgabe.
Für Kommando-, Landungs- und Kampfschwimmereinsätze wurden die beiden Minenrohre von Bord genommen. Je Seite wurde eine Sitzreihe montiert, insgesamt 16 Sitze. Diese waren mit einem Spritzschutz - Schanzkleid (Persenning) versehen. Die Rückenlehne der Stahlrohrsitze lag an den Fahrstand-Seitenwände. Für diese Umrüstung waren vier Stunden vorgesehen. Diese Ausführung nannte man K-Variante.
10 KTS-Boote waren täglich in „Ständiger Gefechtsbereitschaft“. Diese Boote wechselten in einen bestimmten Rhythmus. Sie waren für diese Zeit voll mit Munition und Gefechtstorpedos ausgerüstet. Die KTS-Boote nahmen an fast allen Übungen und Manövern sowie Flottenparaden teil.
Bewaffnung
• Hauptbewaffnung zwei 533,4 mm Torpedos Typ 53/39PM oder 53/56W
- die Ausstoßöffnung war knapp über der Wasseroberfläche,
- das Laden der Torpedorohre erfolgt mit Hilfe eines Tragarmes und Kran,
- der Ausstoß des Torpedos erfolgte nach achtern mit dem Gefechtskopf nach vorn,
- durch den Rückausstoß war die maximale Eintauchtiefe des Torpedos fünf Meter,
- Einzel- und Intervallausstoß von etwa 1 Sekunde war möglich.
• 23 mm Flak DL 2 V 23 mit Wetterschild (modifizierte ZU-23)
- einfaches Ringvisier,
- Höhenrichtbereich – 15 Grad bis 90 Grad,
- Feuergeschwindigkeit praktisch 400 Schuss/min,
- Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses: 970 m/s,
- Kampfsatz 500 Granaten,
- die Munitionsgurtkästen (mit je 50 Granatpatronen)

• zwei Minenausstoßrohre für Fernzündungsmine Typ UDM
- 15 Grad zu Mitte Schiff versetzt,
- laden der Minen mit Hilfe eines Kranes,
- Mine wurde mittels Pressluft ausgestoßen,
- Wurfweite 6,5 m
- Einsatztiefe der Mine 12 bis 50 m, hydro-akustische Zündung
• vier Nebeltonnen am Heck in Nebeltonnenlager möglich
- Nebeldauer ca. 7,5 min
• Schützenwaffen
- 2 MPi KMS-72 mit gesamt 600 Patronen und 3 Pistolen M mit gesamt 72 Patronen
Stationierung
Die KTS-Boote gehörten zur 6.Flottille auf den Bug/Dranske.
Mit der Indienststellung des Projektes 131.4 gehörten die Boote der Leichten Torpedoschnellboots Brigade (LTSB-Brigade) an. Untergliedert waren diese in 7., 8. und 9.LTSB-Abteilung.
Ab 01.12.1976 wurden die Boote in zwei Brigaden aufgeteilt.
7. LTSB-Brigade mit der 1., 3. und 5.Gruppe,
9. LTSB-Brigade mit der 2., 4. und 6.Gruppe.

Am 01.12.1981 wurden beide Brigaden in Torpedoschnellboots Brigade umbenannt, nun 7.TSB-Brigade und 9.TSB-Brigade. Die Gruppenaufteilung blieb.
Durch die Außerdienststellung von 16 Booten wurde die 7.TSB-Brigade am 01.07.1984 aufgelöst. Alle noch verbliebenen Boote wurden in der 9.TSB-Brigade zusammengefasst. Die 2., 4. und 6.Gruppe blieben als solche bestehen.
Die 9.TSB-Brigade wurde am 06.11.1989 aufgelöst.
Die beiden letzten KTS-Boote und die letzten TS-Boote Projekt 206 bildeten den Anfangsbestand der in Aufbau befindlichen neuen 9.Raketenschiff-Brigade. Diese neue Brigade sollte die RS-Boote des Projekts 151 aufnehmen.

Verbleib
Die Außerdienststellung der 30 Serienboote begann 1984 mit 15 Booten. Weitere 12 Boote wurden im Mai bis Oktober 1989 und die Projekt-Nr. 131.408 sowie 131.410 am 31.05.1990 außer Dienst gestellt. Die beiden letzten wurden in Kiel museumsgerecht demilitarisiert.
Alle Boote wurden abgebrochen mit folgenden Ausnahmen:
• Baunummer 131.408 – ab Oktober 1992 in Parow, im November 1993 ans Marinemuseum Stralsund-Dänholm als Dauerleihgabe der Deutschen Marine abgegeben, letzte Bord-Nr. 924
Baunummer 131.410 - Wissenschaftliches Institut für Schifffahrts- und Marinegeschichte Hamburg
ab 24.06.2008 als Leihgabe im Luftfahrttechnischen Museum Rechlin e.V., letzte Bord-Nr. 925
• Baunummer 131.422 - Militärhistorisches Museum in Dresden, letzte Bord-Nr.961
• Baunummer 131.423 - im Außenbereich des Traditionsschiff Typ „Frieden“ Rostock-Schmarl, wegen Umgestaltung des Geländes durch die IGA abgegeben im September 2001 zum Deutschen Marinemuseum Wilhelmshaven transportiert, -Leihgabe des Militärhistorisches Museum Dresden, - letzte Bord-Nr. 964

Verdrängung: 32,52t - 35,16t (je nach Ausrüstungsvariante)
Länge ü.a.: 18,90 m
Breite ü.a.: 4,42 m
Höhe ü.WL.: 6,08 m
Tiefgang achtern: 1,74 m
max. Geschwindigkeit: 52-58 kn (96-108km/h) beladen
Antrieb: 3x Dieselmotoren M50 12 Zylinder - Gesamtleistung 2647,8 kW / 3550 PS
Besatzung: 5 Mann
Fahrstrecke: max. 350 sm
seeklar in: 55 min bei warmen Hauptmotoren
Seetüchtigkeit: bis Seegang 6
Autonomie: 4 Seetage
Quelle: Peter Kieschnik

Wir bedanken uns bei der KTS-Kameradschaft um Uwe Weiß für die Sanierung und Pflege unseres KTS Bootes, dass somit das am besten erhalten verbliebene Boot ist.

GSB 075 - Grenzsicherungsboot

Grenzsicherungsboot GSB 075

Grenzsicherungsboot GSB 075  Grenzsicherungsboot GSB 075

Das Grenzsicherungsboot GSB 075 wurde hauptsächlich für die Grenztruppen der DDR, zugehörig dem Ministerium für Nationale Verteidigung, gebaut. Einige Schiffe bekam die Wasserschutzpolizei aus Grenzbootbeständen (MfS) für den schnellen Einsatz. Insgesamt wurden 89 Boote des Typs 075 gefertigt.
Die Motorisierung sollte im Gegensatz zu den Vorgängerbooten der Serie GSB 066 – ausgerüstet mit Volvo Penta Antriebsanlage - unabhängig von den teuren Importen sein. Somit wurden die günstigeren ZIL Motore sowjetischer Bauart (Tschaika-Werke) verwendet. Allerdings mussten dazu die passenden Getriebe vom VEB Strömungsmaschinenbau Pirna in der DDR erst einmal selbst entwickelt werden. Die Entwicklungszeit der Getriebe war aufwendiger als angenommen. Somit konnte der Einsatz nicht wie anfangs geplant am 25.06.1975 aufgenommen werden. Auch der Folgetermin im Mai 1976 musste nochmals verschoben werden. Letztendlich begann die Erprobung der Boote auf der Elbe erst gegen Ende 1976. Die ersten Boote gingen somit erst 1977 in den aktiven Dienst.
Diese Bootsklasse ersetzte weitestgehend die bis dahin eingesetzten vollgeschweißten Aluminiumboote des Typs GSB 066, die ebenfalls auf der Schiffswerft Rechlin gefertigt wurden..
In den Folgejahren wurden danach insgesamt 50 Boote des Typs 075.5 und des Typs 075.9 von den Grenztruppen der DDR, inklusive der Wasserschutzpolizei der DDR übernommen und in den aktiven Einsatz gebracht.
Information: Die Boote der Wasserschutzpolizei (Typ Kontrollboot KB-9) sind keine eigene Bauserie, sondern entstammen alle der ersten Bauserie 075.5 - sie wurden zw. 1984 & 1986 aus dem Grenzdienst ausgesondert und auf der Schiffswerft Rechlin einem Umbau unterzogen, um Sie für den Polizeidienst tauglich zu machen. Dabei wurden Sie auch einer Grundinstandsetzung sowie einer Modernisierung unterzogen. Diese Boote bekamen dann einen eigenen Bau-Nummern-Kreis beginnend mit 001, welche auf neuen Typenschildern an der vorderen Kabinenwand rechtsseitig im Fußbereich angebracht sind - da die alten Typenschilder entfernt wurden, ist eine Zuordnung nach Ihrer eigentlichen Bau-Grenz-Kennung nur schwer möglich.


Eine Besonderheit stellte die Exportvariante 075.8 dar - diese Boote wurden nach Tansania in Afrika geliefert und waren dort zum Patrouillendienst bestimmt - ansonsten baugleich hatten diese Boote jedoch im Heckbereich an Back- wie an Steuerbord je 2 Abschusslafetten in Doppelgruppe angeordnet - zum Abschuss von Leuchtkugelmunition für große Höhen. Scharfe Kampfmunition oder Raketen wie oftmals behauptet konnten damit nicht abgefeuert werden - sie dienten ausschließlich zur Gefechtsfeldausleuchtung auf See.
Ende der 80´er Jahre wollte man mit dem Nachfolgetyp 075.20 eine spezielle Bootsreihe, für den Export in die Sowjetunion auflegen. 1 Boot dieser Vorserie in der bekannten Bootsform - wurde ohne Maschine - nach der Wende in Privatbesitz verkauft. Auch eine Ausführung für den Konsumgütermarkt der DDR (in Sportbootausführung mit einer geringen Antriebsleistung) war geplant. Dazu wurden noch Boote im Rohbau - als Prototypen - hergestellt, die jedoch durch die Wende bedingt, nicht mehr zur Ausführung kamen und für die nach der Wende 1990 kein Markt mehr vorhanden war. Diese Rohbauten(vermutlich 3 Stk.) in einer neuen Bootsform - verblieben auf der Werft und bislang konnte nur 1 Boot dieser Prototyp-Serie - ohne Maschine - nachgewiesen werden. Nach der Wende in Privatbesitz verkauft, ist dieses Boot somit der einzige Vertreter dieser Sportboot - Baureihe (genaue Typenbezeichnung ist unbekannt).
Nach der Wiedervereinigung wurden 1990 viele Dienstboote aus dem aktiven Dienst genommen, einzig die Wasserschutzpolizei im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern setzte diese Boote noch eine geraume Zeit aktiv als Kontrollboote ein, bis auch diese zum größten Teil an Privatpersonen verkauft oder versteigert wurden. Somit wurden diese Bootseinheiten (auch durch Weiterverkäufe) auf ganz Europa verteilt. So sind Boote in Belgien, Frankreich, ein Großteil in den Niederlanden, aber auch in Polen, Schweden und in England bekannt. Durch Verkaüfe gelangen sogar zwei Boote bis nach Südamerika, wo sie noch heute als Krabbenfänger im Einsatz sind.
Der Gesamtauftrag für den Bau dieser Einheiten belief sich auf 27,9 Mio (Ost) Mark. Trotz Eigenbau der Z-Antriebe und Import von sowjetischen Motoren, sowie der Leichtbauweise und geringerer Stückzahl gegenüber der Bauart GSB 066, verteuerte sich dieser Auftrag letztlich um 10 Millionen Mark der DDR.

Typenreihen und Stückzahlen des GSB 075:

Typ 075.3 - Baujahr /Vorserie mit Volvo-Penta Motoren - ab 1974 - Stückzahl ist unbekannt
Typ 075.5 - 34 Boote für die DDR (Baujahr 1974 - 1980 (im Einsatz erst ab 1977 !!))
Typ 075.7 - 27 Boote für die CSSR (Baujahr 1979 bis 1983)
Typ 075.8 - 12 Boote für Tansania (Baujahr 1980 - Einsatz auf den Binnenseen)
Typ 075.9 - 16 Boote für die DDR (Baujahr 1980 bis 1984)
Typ 075.20 - geplant für den Export in die UdSSR und als Privatbootvariante DDR

Verdrängung: 4.40 t
Länge ü.a.: 9.75 m
Breite ü.a.: 3.20 m
Höhe ü.WL.: 2.90 m
Tiefgang achtern: 0.46 m
max. Geschwindigkeit: 24-28 kn (40-47 km/h)
Antrieb: 2x ZIL Typ ZMZ 41 Vergasermotor 8 Zylinder, je 140 PS
Besatzung: 3 Mann
Quelle:www.ddr-binnenschiffe.de

Das Museum sucht für die Komplettierung seines Exponates GSB 075 die ursprüngliichen Motoranlagen ZIL ZMZ 41 und die Original Z-Antriebe. Für Hinweise auf deren Verbleib oder auch Schenkung von Eigentümern dieser alten Motoranlagen wären wir sehr dankbar.

Öffungszeiten
April bis Oktober
täglich 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Ostern
Fr bis Mo 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Februar bis März
Mo bis Do 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr
Freitag 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr
Letzter Einlass jeweils 30 Minuten vor Schließung. Gruppenführungen führen wir nach Anmeldung durch.
Hunde dürfen ins Museum.

Erwachsene (ab 16) 7,- €
Kinder (6 bis 15) 3,- €
Familie
(2 Erwachsene, 2 – 5 Kinder) 17,- €
Schwerbehinderte 4,- €
Hund 1,- €
Gruppen (ab 10 Personen)
Erwachsene 6,- €
Führungen 40,- €